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Trailfestival in Oberammergau

Strobel/Kaufmann
Strobel/Kaufmann
Andrea Sohm
Michael Hagenacker
Barbara Kaltenhauser
Patrick Kewitsch
Udo Kewitsch
Ich hasse es. Ich hasse es, wenn ich bereits bei der Startnummernausgabe nass werde, mich in warme Kleidung hüllen muss und bei der Wahl meiner Bikewear im Hotelzimmer 90 Minuten vor dem Start Ärmlinge und Beinlinge in die engere Wahl ziehen muss – von der mittlerweile obligaten Regenjacke einmal ganz abgesehen. Detlef (bestens bekannt als Schweinehund in meinem Buch „Faszination Alpencross“) grinst schon diabolisch und will mir einreden, dass ich ja gar nicht starten müsste.

Ich hasse es. Und ich gehe doch an den Start. Wäre doch gelacht. Komm nur Petrus, wenn wir die eintausendsechshundert Höhenmeter der B-Strecke bewältigen, dann werden wir Dir auch noch Herr.

9.20h: die „kleine“ Runde (27km, 650hm) geht an den Start, aufgeregte Jugendliche (ab Jahrgang 1994 war Meldung erlaubt) warten auf den Countdown zum „neutralisierten“ Start.
9.30h: die Cracks (80km, 2600hm) werden von der Leine gelassen und geben schon auf den ersten Metern auf der regennassen Oberammergauer Hauptstrasse „voll Stoff“.
9.40h: nun sind die „Normalos“ an der Reihe (50km, 1600hm) und auch hier gibt es von Beginn an ehrgeizige Tempomacher. Es nieselt, ich hasse es.

Und mit jedem Meter, bei dem sich meine X-Bionic Fennec Bib vollsaugt, wird die Gleichgültigkeit gegenüber dem nassen Element größer. Egal, es geht bergan, und zwar schon nach kürzester Zeit, steilst bergan. Einige schieben bereits. Auch ein Gedanke, aber noch geht es. Die Feuchtigkeit ist mittlerweile nicht mehr zu spüren, vielleicht hat es auch aufgehört zu nieseln.

Zwischen Kofelsteig und Kolbenalm sind die Rampen durchaus garstig, dementsprechend zieht sich das Feld auseinander. Immer wieder sind im Streckenverlauf traumhafte Trails eingebaut, die nach meiner bisherigen Ritchey-Challenge Erfahrung als echte Top Spots gewertet werden können. Perfekt. Wenn nur die Hatz nicht wäre, mein Vordermann fährt keinen Deut zu langsam und ich versuche auf dem schmalen Schlängelband den Kontakt zu seinem Hinterrad zu halten. Es geht ganz gut.

Ich liebe es. Wenn sich die Gedanken im Laufe eines Rennen verflüchtigen. Wenn man nur noch „rennt“ und nicht mehr denkt. Wenn mein Bike und ich fusionieren und nur gelegentlich der Pulsmesser - oder besser gesagt - mein eigener Herzschlag mich an meine Grenzen erinnert. Es geht also wieder bergauf. Aiplealm, Aufackerstrasse und dann zum Pfannenstiel. Auch hier ist die Wegführung nicht wirklich charmanter. Der Anstieg ist ordentlich und die Wege über schlammige Wiesenpfade bringt jeden Schwalbe Ralph, Nobby oder auch die Mary an ihre Grenzen. Die letzte Schikane ist dann die Abfahrt über einen steinigen schmalen Trail, der aufgrund der immer noch vorhandenen Feuchtigkeit nahezu unfahrbar ist. Da mich das Führungsteam der 80km Runde soeben überholt hat (ok, sie sind ja auch 10min eher gestartet), aber ihrerseits auch im Laufschritt die vernünftigere Gangart einlegen, steige ich getrost ab und schiebe die ca. 300m talwärts und leite dann über die letzten Weiden und Forstwege das Finale ein, um mir meinen Platz halbwegs im Mittelfeld zu ergattern. Ich liebe es.

Die Ergebnisse: In der A-Runde gehen Andi Strobel und Markus Kaufmann mit einer Sekunde Differenz ins Ziel (Strobel 3:39:56 / Kaufmann 3:39:57) dicht gefolgt von Matthias Leisling (3:43:56). Bei den Damen ist Barbara Kaltenhauser mit 4:27:22 vor Andrea Kuster (4:32:40) erfolgreich. Die B-Wertung entscheidet Guido Thaler (2:20:39) vor Daniel Federspiel (2:23:54) für sich. Bei den Damen geht Christina Weber nach 3:12:39 mit ca. 90 Sekunden Vorsprung vor Sandra Bloomer ins Ziel. Die C-Runde entscheidet Andreas Kleiber in 1:06:37 für sich, Lisa Lechner benötigt für den Sieg in dieser Klasse 1:23:59.

Text: Udo Kewitsch